Burghofspiele Falkenstein 2010

 

 

Die Erfindung der Freiheit

oder

Kann denn Fliegen Sünde sein?

Ein Theaterstück über den Traum vom Fliegen und den Beginn der Französischen Revolution von Pit Holzwarth
Eine kurze Einführung in das Stück:
  
An einem Herbstmorgen im Jahr 1783 stürmt der Philosoph und Wissenschaftler Jean Marie de Condorcet in die Schankstube eines Pariser Gasthofes und überrascht die Kellnerin Joseline mit einem für die Tageszeit eher ungewöhnlichen Getränkewunsch. Der Anlass für den bestellten Champagner ist jedoch keineswegs, wie von Joseline zunächst vermutet,  Familienzuwachs im Hause Condorcet, sondern ein Ereignis von historischer Tragweite: Soeben hat der Flieger Blanchard mit seinem Ballon als erster Mensch die Erdanziehung überwunden und sich empor gewagt in die Weiten des Himmels.
Die grenzenlose Euphorie, die Blanchard, berauscht von den völlig neuen Sinneseindrücken im unendlichen Luftraum, zunächst empfindet, nimmt indes mit jedem weiteren Flug ab, denn aus der luftigen Höhe tritt die bedrückende Lage der Menschen, die von den höheren Ständen ausgebeutet werden, ihre Macht- und Hilflosigkeit, nur umso deutlicher zutage: Das Mehl der Bauern, das eigentlich zum Brotbacken bestimmt war, wird von vergnügungshungrigen Adeligen gedankenlos zum Pudern von Perücken verschwendet, und  immer neue Abgaben und Steuern bringen die verarmte Landbevölkerung um die Früchte ihrer Arbeit. So auch die Familie Pottaf, die an Weihnachten von ihrem Hof vertrieben wird und in eine ungewisse Zukunft aufbricht.
Krank vor Ekel angesichts von so viel Not und Elend gibt Blanchard die Fliegerei auf und fällt zusehend in immer tiefere Depressionen. Wochenlang verlässt er nicht mehr das Bett, geschweige denn sein Zimmer. Nur Joseline, in deren Gasthof Blanchard Zuflucht gesucht hat, kümmert sich aufopferungsvoll um den abgestürzten Helden. Dann jedoch gelingt es dem Kakao- Großhändler Duport, den Flieger zu einem weiteren Aufstieg zu überreden. Neben viel Geld lockt vor allem eine neue Herausforderung: Blanchard soll eine Steuerung für den Ballon konstruieren, damit das Luftschiff schnellstmöglich als verlässliches Transportmittel für den Handel zur Verfügung steht. Im Gespräch mit Condorcet deutet Duport jedoch an, dass er sich auch noch ganz andere, weniger friedliche Verwendungszwecke vorstellen kann...
Unterdessen sorgt ein Erlass des Königs unter den Bauern von Saint Cybranet für Aufregung: Die Bevölkerung von ganz Frankreich wird darin aufgefordert, Missstände und Beschwerden aufzuschreiben, um so die drohende Staatskrise abzuwenden. Allerdings scheint der König nicht bedacht zu haben, dass ein Großteil seiner Untertanen gar nicht des Lesens und Schreibens mächtig sind, doch auch dieses Problem können die in der Not erfinderischen Bauern lösen. Bleibt noch die Frage des Transports, denn die eigentlich verantwortlichen Behörden scheinen nicht daran interessiert, dass der Brief mit den Klagen und Beschwerden aus Saint Cybranet den König tatsächlich je erreicht. Doch wie der Zufall es will, steht der Versuchsflug von Blanchards Luftschiff mit der neuen Steuerkonstruktion unmittelbar bevor. Sein Ziel: Der königliche Hof zu Versailles...

Die Burghofspiele Falkenstein feiern ihr fünfunddreißigjähriges Bestehen mit einem turbulenten Theaterspektakel, das dramaturgisch alle Register zieht und auf der Bühne ein Feuerwerk an spielerischem Witz und szenischen Einfällen zündet. Geschichte wird sinnlich erleb- und begreifbar, Aufbruch und Begeisterung über den vermeintlichen Beginn eines neuen Zeitalters ebenso wie der harte, entbehrungsreiche Alltag der so genannten "kleinen Leute", ihre Hoffnungen und Träume von einem besseren Leben und einer gerechteren Welt.
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