Das Gold von Bayern

Eine bayerische Komödie von Reinhard Raffalt

Eine kurze Einführung in das Stück:

Ludwig: Bisher ist Dummheit in Bayern noch nie bestraft worden.
               Jetzt werden wir das einführen müssen.

Kein Wunder, dass Bayernkönig Ludwig der Löwe schlechte Laune hat: Erst erdreistet sich der Privatbankier Ignaz Sperling, in aller Herrgottsfrüh die königliche Bettruhe zu stören, dann muss der aufgeschreckte Monarch erfahren, dass seinem Land der Staatsbankrott droht, und verursacht hat die ganze Misere auch noch ein Frauenzimmer: Die Schauspielerin Adele Spitzeder. Auf der Bühne nicht gerade erfolgreich- im Bankgeschäft dafür umso mehr: Den Anlegern ihrer „Dachauer Bank“ zahlt sie schwindelerregend hohe Zinsen und ruiniert damit alle anderen Geldinstitute. Der nie versiegende Geldstrom ihrer gutgläubigen Gläubiger hält das Geschäftsmodell der Madame Spitzeder am Laufen und ermöglicht ihr ein luxuriöses Leben und soziale Wohltaten wie die Eröffnung der ersten Münchner Volksküche.

Jetzt ist guter Rat teuer, ein Zusammenbruch des von der gewieften Spekulantin in Gang gesetzten Schneeballsystems würde die Stabilität des Staates bedrohen, denn auch die Beamten des königlichen Finanzministeriums haben kräftig in Adele Spitzeders Unternehmen investiert. Von Ludwig zur Audienz einbestellt, beeindruckt die attraktive Bankbesitzerin den Monarchen nicht nur mit ihrem ausgeprägten Selbstbewusstsein. Die Problemlösung ist dadurch natürlich nicht gerade einfacher geworden...

Sperling: Eine schöne bayerische Blamage.

Ludwig:   Das ist doch nichts Neues. Das liefern wir doch dauernd.

Der Bankrott der „Мutter des Anlagebetrugs“ und ihrer „Dachauer Volksbank“ im Jahr 1872 gehört zu den größten Finanzskandalen des 19. Jahrhunderts. Anders als Peer Rabens Film Adele Spitzeder (1972, mit Ruth Drexel) und der im Herbst 2010 u.a. in Regensburg gedrehte Fernsehfilm mit Birgit Minichmayr, verfährt Reinhard Raffalt in seiner 1966 am Münchner Residenztheater uraufgeführten Komödie sehr frei mit den historischen Ereignissen. In satirischer Überhöhung parodiert das Bühnengeschehen vor allem die Leichtgläubigkeit und Blindheit der vom Goldrausch infizierten Bürger und die Unfähigkeit der überforderten staatlichen Autoritäten, wobei die Handlung und die handelnden Personen zwar größtenteils frei erfunden, Ähnlichkeiten mit aktuellen Ereignissen und lebenden Personen  jedoch weder zufällig noch unbeabsichtigt sind.